Wenn Worte Brücken bauen – der Regionalwettbewerb „Jugend debattiert“ Nordwesteuropa 2026
Wie gelingt es, andere von einer Idee zu überzeugen? Wann wird aus einer Meinungsverschiedenheit ein konstruktiver Austausch? Und welche Rolle spielt die Debattenkultur in einer demokratischen Gesellschaft? Mit diesen Fragen beschäftigten sich die Teilnehmenden des Regionalwettbewerbs „Jugend debattiert“ Nordwesteuropa, der am 28. Mai 2026 in Stockholm stattfand. Die Qualifikationsrunden wurden am Vormittag an der Deutschen Schule Stockholm ausgetragen, bevor die besten Debattierenden am Nachmittag in der Residenz des deutschen Botschafters um den Einzug ins Europafinale debattierten.
Erstmals wurde der Wettbewerb in diesem Jahr in zwei Kategorien ausgetragen. Während im Wettbewerb der DSD-Schulen die Siegerinnen und Sieger der Schulwettbewerbe aus Finnland, den Niederlanden und Schweden gegeneinander antraten, kamen im Wettbewerb der Deutschen Auslandsschulen (DAS) die Schulsiegerinnen und Schulsieger aus Kopenhagen, Helsinki, Oslo und Stockholm zusammen.
Für die Deutsche Schule Stockholm gingen Ole Winsents und Elin Höffker an den Start. Nachdem sie sich zuvor beim Schulwettbewerb gegen starke Konkurrenz durchgesetzt hatten, vertraten sie die DSS auf nordwesteuropäischer Ebene.
Bereits am Vortag reisten die Delegationen nach Stockholm. Beim gemeinsamen Kennenlernen, bei Workshops, Jurorenschulungen und Vorbereitungsrunden wurde schnell deutlich, dass „Jugend debattiert“ weit mehr ist als ein Wettbewerb. Die Teilnehmenden begegneten einander mit großer Offenheit, diskutierten über Ländergrenzen hinweg und tauschten Erfahrungen, Ideen und Perspektiven aus.
Am Wettbewerbstag selbst standen anspruchsvolle gesellschaftliche Fragestellungen im Mittelpunkt. So wurde in den Qualifikationsrunden unter anderem darüber debattiert, ob Jugendliche bis 16 Jahre den öffentlichen Nahverkehr kostenlos nutzen können sollten und ob die Viertagewoche bei gleicher Wochenarbeitszeit eingeführt werden sollte. Dabei überzeugten die Debattierenden nicht nur durch Sachkenntnis, sondern auch durch ihre Fähigkeit, aufeinander einzugehen, Argumente abzuwägen und respektvoll miteinander zu diskutieren.
Die Finaldebatten fanden in der Residenz des deutschen Botschafters statt und boten einen feierlichen Rahmen für den Abschluss eines beeindruckenden Wettbewerbstages. Zunächst debattierten die Finalistinnen und Finalisten der DSD-Schulen über die Frage „Soll es nach dem Schulabschluss ein soziales Pflichtjahr für alle geben?“. Anschließend folgte das Finale der Deutschen Auslandsschulen zur Frage „Soll politische Bildung ein verpflichtendes Prüfungsfach im Deutschen Internationalen Abitur sein?“.
Durch das Programm führten Louisa Lilja und Selma Thier, die im vorangegangenen Schuljahr als Finalistinnen selbst bereits erfolgreich an „Jugend debattiert“ teilgenommen hatten. Musikalische Beiträge von Schülerinnen und Schülern rundeten das Programm stilvoll ab.
Besonders erfolgreich verlief der Wettbewerb für die Deutsche Schule Stockholm: Elin Höffker setzte sich im Finale des Wettbewerbs der Deutschen Auslandsschulen gegen starke Konkurrenz durch und gewann den Regionalwettbewerb. Gemeinsam mit Antonia Höcker von der Sankt Petri Schule Kopenhagen qualifizierte sie sich damit für eine Reise zum Europawettbewerb der DSD-Schulen in Berlin im Herbst. Ebenfalls im Finale standen Johannes Grundmann von der Deutschen Schule Helsinki sowie Stella Spreter von Kreudenstein von der Deutsch-Norwegischen Schule Oslo.
Im Wettbewerb der DSD-Schulen setzen sich Signe Osvaldsson von der Katedralskolan Lund und Iris Aurora Tuominen vom Etelä-Tapiolan Lukio in Espoo (Finnland) gegen Hedda Wengström von der Katedralskolan Lund und Juliette ter Haar vom Christelijk Lyzeum Zeist (Niederlande) durch.
Ein solcher Wettbewerb lebt vom Engagement vieler Beteiligter. Ein besonderer Dank gilt daher dem ganzen Organisationsteam, allen Jurorinnen und Juroren, Zeitwächterinnen und Zeitwächtern, Helferinnen und Helfern, den begleitenden Lehrkräften, den musikalisch Mitwirkenden sowie der Deutschen Botschaft Stockholm für ihre Gastfreundschaft und große Unterstützung.
Die beiden Wettbewerbstage haben einmal mehr gezeigt, dass Demokratie vom Austausch lebt und dass gute Debatten nicht diejenigen gewinnen, die am lautesten sprechen, sondern diejenigen, die zuhören, nachfragen und überzeugend argumentieren können.
Text: Anja Köhler; Fotos: Thomas Persson





























