Gedanken zum Theaterstück “SAFE”

Am 11 September 2018, waren einige Schüler aus der Oberstufe in Dramaten und gönnten sich das Stück “SAFE” von Falk Richter. SAFE handelt von dem Gefühl der Unsicherheit in jedem Menschen, ein Gefühl, das viele umgibt, durch politische Ereignisse oder gesellschaftliche. Falk Richter ist ein Dramatiker und Philosoph aus Hamburg und arbeitete zusammen mit dem Komponisten Valgeir Sigurossen, um das Stück, zusammen mit dem Schauspielern aus Dramatens Ensemble, auf die Bühne zu bringen.

Auf der Bühne waren die Schauspieler, eine Gruppe junge  Erwachsene,  mächtig beschäftigt mit harten Diskussionen über gewisse aktuelle Themen, die die heutige Gesellschaft berühren. Unter diesen Themen befand sich unser von Sozialen Medien und Filmserien stark geprägtes Leben, wobei besonders viel über Netflix gesprochen wurde, und das weltweit diskutierte Immigrationsproblem. Das Stück war gefüllt mit viel Text, Tanz, Musik und im Hintergrund sogar mit Video. Die diskutierende Gruppe hat intern sehr unterschiedliche Meinungen und zwischen sich auch einige Probleme, die das Stück interessanter machen sollen. Falk Richter legt mit seinen Schauspielern, die ständig ihre Meinung zu einem Thema geben, seine Botschaft klar und deutlich in den Raum. Und genau das möchte ich kritisieren.

Jetzt, ich bin keinesweg ein erfahrener Dramatiker wie Falk Richter, und habe selber noch kein Theaterstück zu Ende geschrieben, doch denken Sie selber mal darüber nach. Richter lässt seine Meinungen zu den aktuellen politischen und gesellschaftlichen Problemen hinaustrommeln, durch seine Schauspieler, die aktiv eine Diskussion führen, die er selber erstellt hat. Ich sage nicht, dass so etwas falsch wäre, und natürlich ist alles, was ein Schriftsteller erstellt, zu einem Großteil subjektiv, doch das Stück von Falk war noch ein Level höher. Die Diskussion kann man mit einer politischen  Debatte vergleichen, in der jeder Kandidat Richter selber ist, und die Opposition, die also nicht Richter ist, wird schnell durch gute Argumente besiegt. Das wiederum gab den Zuschauern wenig Spielraum um selber Richters  Werk zu interpretieren.

Das Stück hatte keinen bildlichen Vergleich, auf den es sich stützte, oder einen Perspektivenwechsel, um das jeweilige Problem anders zu betrachten. Daher wurde es beinahe unmöglich sich eine eigene Meinung aus dem neu errungenen Wissen zu bilden. Man konnte nur mit “Ja, ich stimme dir zu” oder “Nein, ich stimme dir nicht zu” antworten.

Nach etwas Untersuchung fand ich heraus, dass diese Form von aufdringlichen Aussagen für Richter charakteristisch ist. Vergleicht man nämlich das Stück mit seinem Buch “Safe Places”, so merkt man dieselbe Aussagestärke. In einem Auszug von “Safe Places” führt eine Dame einen Monolog und ernennt sich selber zu Europa. Sie sagt weiter, dass sie über 700 Millionen Menschen wäre und dass sie der Erste und der Zweite Weltkrieg wäre. Schon dann realisiert man, dass sie eine Personifikation von Europa ist und sie eher über Europa spricht, aber  in der ersten Person. Der Monolog wird immer ernster über den Verlauf der Handlung und die Dame fängt an über die Probleme in Europa zu reden und die Gefühle, die in jedem Europäer sind, durch die Missetaten, die sie in ihrer Vergangenheit begangen haben.

Es wird weder im Textausschnitt noch im ganzen Buch ein großer perspektivischer Wechsel gezeigt, oder überhaupt Platz für freies Denken gegeben. Es werden nicht viele Fragen gestellt, und wenn welche gestellt werden, so sind sie rein rhetorisch und in dem Zusammenhang fast unmöglich anders als nach dem Willen des Autors zu beantworten.

SAFE trifft den Punkt bei allen Themen, die es diskutiert und gibt dem Zuschauer neues Wissen über aktuelle Probleme. Gleichzeitig war das Stück hinreißend und sehr amüsant . Doch es meiner Meinung nach mehr informativ als kreativ. Ich als Liebhaber der Theaterkunst und als selbsternannter Verteidiger des freien und  träumerischen Denkens, distanziere mich von der Darstellungsart Richters.

Maximilian Runge