Unsere „Schlingel“ in Chemnitz

Am 26.09.2016 startete das internationale Filmfestival für Kinder und junges Publikum „Schlingel“ in seine 21. Runde. Eine Woche lang, vom 26.09. bis 02.10.2016, flimmerten 150 Filme aus 54 Ländern über die Leinwände des CineStar in der Galerie Roter Turm in Chemnitz.
Kinder-, Jugend- und Erwachsenenjurys vergaben Preise, bei der die Deutsche Schule Stockholm traditionell vertreten ist. In Workshops und Projekten im Rahmenprogramm des Festivals konnten die jungen Jurymitglieder selbst aktiv werden und sich rund um die Themen Produktion, Analyse und Rezeption von Filmen versuchen.

In diesem Jahr wurde von den verschiedenen Jurys ein Preisgeld von insgesamt 63.000 Euro vergeben. Dieses soll dafür sorgen, dass anspruchsvolle Filme für junges Publikum in die deutschen Kinosäle kommen können.

Wir hoffen, dass die jungen Jurymitglieder der DSS einen spannenden Filmherbst und tolle Gespräche mit den Schauspielern, Regisseuren und Produzenten aus aller Welt hatten!


Ein Bericht von Luise Steinberger:

Das 21. Filmfestival für Kinder und junges Publikum, Schlingel, begann im Dunklen. Am Eröffnungsmorgen um kurz vor sieben gingen in der gesamten Innenstadt des Austragungsortes Chemnitz in Sachsen die Lichter aus, die Duschen wurden kalt und bei den Betreuern der europäischen Kinderjury im Hotel Biendo stiegen leichte Panikgefühle auf, weil der Kaffeeautomat im Frühstücksraum erlosch: Stromausfall!!

Während die Kinderjury ganz gelassen bei Kerzenschein frühstückte, arbeiteten die Leute des Stromversorgers eins fieberhaft daran, die Elektrizität wieder in Gang zu bringen, was auch rechtzeitig gelang. So konnte das Festival ganz plangemäß am Montag dem 26. September um 9:30 eröffnet werden – erstmalig im Opernhaus, was beim Publikum gut ankam. Das Band durchschnitt mit einer großen Schere der Schlingel persönlich, personifiziert auch in diesem Jahr von Sven Loeset, mittlerweile 13 Jahre alt.

Die Kinderjury, bestehend aus 16 Kindern aus acht Ländern (Edith und Mark aus Schweden, Anton und Rosa aus Dänemark, Zombor und Lena aus Ungarn, Antoine und Noëmi aus Frankreich, Hannah und Markus aus Österreich, Leo und Ziva aus Slowenien, Gorden und Lotta aus Deutschland sowie Alisa und Ferdinand aus Tschechien) ging sofort ans Werk und sah gleich morgens den ersten Film. Anschließen die erste Auswertung, geleitet auch in diesem Jahr wieder von Medienpädagogin Anja Müller.

In vier Tagen sahen die Kinder acht Festivalbeiträge an und bewerteten sie. Dazu sei gesagt, dass das ein großer Spaß ist, aber durchaus auch mit Arbeit verbunden. So waren die 16 Juroren beispielsweise am Mittwoch zehn Stunden „im Dienst“. Abgerundet wurden die Filmtage mit einer zweistündigen Abschlussdiskussion, bei der die Gewinner gekürt wurden: zum besten Film ersah die Kinderjury den tschechischen Beitrag „Kronprinz“ und als besten Kinderdarsteller benannten sie Thinh Vinh aus Vietnam, der Inhaber der Hauptrolle in „Gelbe Blumen auf grünem Gras“. Er gewann ein rotes Mountainbike.

Als Ausgleichsprogramm für die Jury waren Ausflüge vorbereitet, montags in eine Kletterhalle, dienstags zum Toben und Grillen zu Fuß ins Kinderfilmhaus, donnerstags zur Besichtigung der Lichtenauer Limofabrik, freitags in einen Indoor-Spielplatz und am Samstag ins Stadtbad. Neben nasser Erfrischung bot das auch Architekturgeschichte, das 1935 eröffnete Bad im Bauhausstil war zur Zeit seiner Eröffnung Deutschlands modernstes (was allerdings vor allem die Betreuer interessierte J). Die Wettergötter hatten fantastisches Wetter bereitgestellt – unablässig Sonne, bis zu 23 Grad an den Nachmittagen, und nahezu mediterrane laue Lüfte sogar noch abends.

Am Samstagabend fand dann der Höhepunkt des Festivals statt: 11 Jurys verliehen in der Stadthalle von Chemnitz (mürrisch beäugt von einer riesigen Karl-Marx-Statue schräg gegenüber) insgesamt 16 Preise, die Kinderjury davon zwei. Jeder Preis wurde ausführlich begründet und mit Filmausschnitt belegt, somit dauerte die Veranstaltung fast drei Stunden. Erfolgreichster Film war in diesem Jahr der neuseeländische Dschungel-Roadmovie Hunt for the Wilderpeople.

Ausgehungert, aber sehr zufrieden mit ihrem gelungenen Auftritt gemeinsam mit Kika-Moderator Juri, begaben sich die Juroren ins Hotel Chemnitzer Hof, wo ein Festbuffet bestehend aus Nudeln mit Tomatensauce, Würstchen und Schokopudding aufgetischt war. Dazu, wie immer, unbegrenzte Mengen Lichtenauer Limo.

Danach ging es tränenreich ans Abschiednehmen – Handynummern und e-Mailadressen wurden getauscht und früh am nächsten Morgen schlichen sich die ersten Reisenden aus den vier Viererzimmern – als erste reisten die Dänen ab, dicht gefolgt von Franzosen und Slowenen.

Für mich als Betreuerin war faszinierend zu beobachten, wie schnell sich die Kindergruppe zusammenfand und wie ausgezeichnet sie als Team funktionierte. Die Kinder mit spärlicheren Deutschkenntnissen wurden mit Hilfe von Google Translate und Unterstützung sprachkundiger Betreuer problemlos in die Gruppe integriert. Die Größeren (der Älteste war 13 Jahre) halfen den Kleineren (der Jüngste eben neun Jahre alt), bei Heimweh ebenso wie beim Klettern in der Halle. In sieben Tagen habe ich keinen einzigen Streit gehört, kein Murren über eineinhalbstündige Spaziergänge, lange Wartezeiten aufs Essen, kein Wort von Langeweile oder schlechter Laune. Eine Eloge an die Internationale Kinderjury 2016!

Fotos von Luise Steinberger

Film

Fotogalerie: ff-schlingel.de

Interviews, Videos von Schlingel TV:

Interview mit der Europäischen Kinderjury

Fernsehbeitrag über die Eröffnung des Festivals

Für weitere Informationen siehe http://www.ff-schlingel.de

Fotos unten: Luise Steinberger, die unsere „Schlingel“ netterweise auf ihrer Reise nach Chemnitz begleitete und uns auf dem Laufenden hielt.

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 Die europäische Kinderjury vor der Eröffnung des Festivals im Opernhaus

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Die europäische Kinderjury auf der Bühne

autigrammAutogramstunde mit dem Kinderdarsteller Wim aus „Der Affenzirkus“

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Die Kinderjury und der Bürgermeister von Chemnitz im Stadtverordnetensaal.

die-kinderjury-zeigt-einen-ausschnitt-aus-dem-gewinnerfilmDie-Kinderjury zeigt einen Ausschnitt aus dem Gewinnerfilm.

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