Petra Kant Kopie

Unsere Theatergruppe im „Lilla Dramaten“

Am Mittwoch den 19 April war die Theatergruppe in dem „Lilla Dramaten“, um sich das Theaterstück „Petra von Kants bittra tårar“ von Rainer Werner Fassbinder anzuschauen. Das Publikum hat die meisten Plätze ausgefüllt, und sobald das Licht ausging, wurde es leise und das Stück fing an. Mit nebligem Rauch hat man der dunklen Bühne ein kühles Milieu gegeben. Herein kam eine Person, die eine Zigarette rauchte unter Totenstille. Bei ihrem Betreten der Mitte der Bühne ging das Licht an, und man hörte einen jammernden Ruf von Petra von Kant, die auf einem Bett lag und jetzt aus einem Albtraum aufwachte.

Hier beginnt die Geschichte von der erbitterten, mitteljährigen Frau Petra von Kant, die als Beruf für Modeagenturen arbeitet und Kollektionen entwirft. Sie gehört zur Modewelt und hat deshalb eine Sekretärin, Marlene, die ihr überall folgt und in allen Situationen dabei ist. Petra ist Alkoholikerin und das einzige, was in dem Stück getrunken wird, ist Whiskey. Das ganze Stück hat nur weibliche Charakter, die alle in einem Zimmer viele Geschehnisse des Lebens der von Kant schildern.

Erstmals besucht sie eine alte Freundin, die darüber erzählt, wie glücklich sie geworden sei, nachdem sie sich ihrem Mann als „Untertanin“ gestellt hat. Petra dagegen ist immer noch verbittert nach vielen misslungenen Beziehungen und der Trennung von ihrem Ex Frank. Es hat nicht mehr geklappt, weil sie aufgehört haben, zu reden und zu kommunizieren. Jedoch ist sie stolz darauf, dass sie sich ihm nicht unterworfen, sondern sich trennen lassen hat.

Ihre Freundin hat anscheinend eine Freundin, eine Zwanzigjährige, zum Besuch bei ihr eingeladen. Schon bei diesem ersten Treffen mit ihr, Karin, bemerkt man eine gewisse Verbindung zwischen den beiden. Petra meint, Karin könne ganz leicht mit ihrem Körper in die Modewelt als Modell hineinkommen und sie verabreden sich zu einem neuen Treffen. Schon bald spürt man die starke Liebe, die zwischen den beiden entsteht. Ihre Gefühle zueinander werden explosiv und dramatisch ausgedrückt. Eines Tages erfährt Petra, dass Karin nach einer Party mit einem Mann geschlafen hat. Die beiden fangen an zu streiten, und Petra fragt sich, ob Karin nicht einfach bei ihr geblieben ist, weil sie ihr Geld und ihre Verknüpfung mit der Modewelt haben will. Diese sagt aber, dass sie Petra wirklich von Herzen liebt. Plötzlich bekommt Karin einen Anruf von ihrem vergessenen Mann, der in Australien wohnt. Er ist nach Europa gekommen und will sie treffen. Der ganze Streit endet damit, dass Karin Gewalt auf Petra ausübt und schließlich wegfährt, um ihren Mann zu sehen.

Hiernach ist Petra völlig erschöpft und zerstört und will nichts, außer Karin zurück zu haben. Am Tag ihres fünfundfünfzigsten Geburtstags kommt ihre Tochter zu Besuch. Die beiden haben sich seit langer Zeit nicht mehr gesehen. Als die Tochter anfängt, über ihren Liebeskummer zu erzählen, wird sie nur ausgelacht von Petra, die über der Liebe sehr bitter geworden ist. Hier wird deutlich, wie wenig und schlecht die Tochter-Mutter-Beziehung bei ihnen läuft. Außerdem hatten die beiden durch das Internat, wo die Tochter war, wenig Kontakt schon das ganze Leben durch.

Mitten im Gespräch kommt die ältere Freundin Petras herein mit einem teuren Geschenk. Petra freut sich überhaupt nicht. Als ihre Mutter hinzukommt und die Tochter, die Freundin und die Mutter anfangen, ein Gespräch miteinander und mit Petra zu halten, kann sie ihre Wut und Frustration nicht mehr innehalten. Sie fängt an, mit ihrem Mikrofon zu schreien und zugleich singen, die anderen drei werden eingeschüchtert und wissen nicht richtig, was sie tun sollen. Petra schmeißt alle ihre Whiskeyflaschen um, Kleider hin und her, die Geschenke reißt sie aus den Paketen und die Torte, die ihre Freundin gebracht hat, knallt sie ihr ins Gesicht. Alles wird reell gespielt, sodass die Bühne ganz dreckig und versaut wird.

Die Freundin und die Tochter verlassen Petra. Die Mutter bleibt bei ihr, sie halten eine lange Konversation über vieles zwischen Himmel und Erde. Nachdem die Mutter auch gegangen ist, schluckt Petra eine Handvoll Pillen und legt sich auf dem Bett nieder. Die Bühne ist wieder dunkel, Marlene tritt ab, genau wie sie angetreten war.

In dem Stück stellt man teilweise vor, wie unterschiedlich es im Thema Liebe gehen kann: Entweder man lässt alles sehr einfach sein und ist glücklich so, oder man will mehr und verliert beim Suchen sich selber oder seinen Partner. Petra hatte großes Unglück in der Liebe, wovon der Titel ihrer bitteren Tränen auch stammt. Die Schauspieler haben die Gefühle der Charakter wahrhaftig in sich selber hineingesetzt und diese vor dem Publikum ausgedrückt. Da sie sich vor keinerlei Handlungen zurückgehalten haben, und die Realitätstreue so gut machen wollten, wie man es nur konnte – das heißt, alles auch in Wirklichkeit vorgeführt –, wurde man in dem Stück mitgerissen, als wären alles echte Geschehnisse, die gerade jetzt passieren. Ein insgesamt sehr deutliches, strukturiertes und echt vorgeführtes Stück. Daher sehr empfehlenswert meinerseits!

Astrid Frohn, 10a