Wolf Erlbruch an der DSS

Große Fragen – viele Antworten

Am 24. Mai 2017 war der Kinderbuchautor und Illustrator Wolf Erlbruch in der Grundschule der Deutschen Schule Stockholm. Er bekommt den diesjährigen Astrid-Lindgren-Preis für Kinder- und Jugendliteratur. Der „Astrid Lindgren Memorial Award” – 2002 von der schwedischen Regierung gegründet – erinnert an die Erfinderin von „Pippi Langstrumpf“ und „Michel aus Lönneberga”. Mit fünf Millionen schwedischen Kronen ist die Auszeichnung die höchstdotierte ihrer Art auf der Welt.

Wolf Erlbruch ist ein Meister der Illustrationskunst – er hat nicht nur die schönsten Geschichten geschrieben, sondern diese auch selbst illustriert: „Die fürchterlichen Fünf“, „Ente, Tod und Tulpe“, „Frau Meier, die Amsel“, „Nachts“, „Die große Frage“.

Seine Karriere als Kinderbuch-Illustrator begann er 1985 mit dem Werk „Der Adler, der nicht fliegen wollte“. Seinen großen Durchbruch hatte er mit dem Werk „Vom kleinen Maulwurf, der wissen wollte, wer ihm auf den Kopf gemacht hat“.

Die Begründung der Jury des Astrid Lindgren Memorial Awards lautete: „Wolf Erlbruch macht existenzielle Fragen für Leser jeden Alters zugänglich und handhabbar. Mit Humor und Wärme, die tief in humanistischen Idealen verwurzelt sind, präsentiert seine Arbeit das Universum in unserem Maßstab.“ (Die Zeit)

Wolf Erlbruch schreibt und zeichnet fürs Kind in uns allen. Er stellt in seinen Bilderbüchern die großen Fragen der Menschheit: Wozu bin ich auf der Welt? Woher kommen wir? Wohin gehen wir? .…

Wer Kinder hat und mit Kindern zusammen arbeitet, kennt viele dieser Fragen. Denn Kinder machen sich grundlegende Gedanken über Leben und Tod, über Gott und die Welt. Sie stellen elementare Fragen, die einen dazu bewegen, immer wieder über sich und sein Leben nachzudenken.
Mit „großen Fragen“ konfrontierte Wolf Erlbruch auch unsere GrundschülerInnen, die viele tolle Antworten parat hatten. Dieses Gespräch zeigte, dass Kinder die wahren Philosophen sind. Denn sie stellen instinktiv die Fragen, die wirklich wichtig sind. Unsere GrundschülerInnen fanden diesen Gemütsmenschen so sehr interessant, dass sie konzentriert und gespannt zuhörten, obwohl Wolf Erlbruch mit Flüsterstimme redete, die große Konzentration erforderte, um die Ironie und Anspielungen mitzubekommen, die er immer wieder ins Gespräch einbaute.
Nach einer interessanten Diskussion über  existenzielle Fragen, las Wolf Erlbruch aus seinen Büchern „Die große Frage“ und „Das Hexen-Einmal-Eins“ vor.
In seinem Buch „Die große Frage“ ist ein Kind der Protagonist. Auf dem Buchcover steht es mit ausgebreiteten Armen, offen für diese Welt. Das Kind unternimmt eine Reise durch diese Welt, trifft auf Menschen, Tiere und die Natur, sogar auf den Tod. Alle geben aus ihrer eigenen Perspektive und Erfahrungen eine Antwort auf die „große Frage“:  „Warum bin ich auf der Welt?“
Die erste Erklärung für den Sinn der eigenen Existenz gibt der große Bruder: „Um Geburtstag zu feiern“, „Um das Leben zu genießen“, sei man auf der Welt, „zum Schnurren“ und „Mäuse fangen“, „zum Bellen“ und „um den Mond anzuheulen“, so die Antwort von Katze und Hund. Aber auch, um etwas aus seinem Leben zu machen, „die Wolken zu küssen“ (der Pilot), „um die Meere zu befahren“ (der Matrose), „früh aufzustehen“ (der Bäcker), und „zu gehorchen“ sei man auf der Welt (der Soldat). Der Vogel ist sich sicher: „Um dein Lied zu singen“. Man benötige auf dieser Welt „Geduld“ (der Gärtner) und „Vertrauen“ (der Blinde), „weil Mama und ich uns lieb haben“ (der Vater), „um dich zu verwöhnen“ (so die Großmutter).  Vor allem aber sei man um seiner selbst willen auf der Welt: „um dich selbst lieb zu haben“ (die Schwester) und „um da zu sein“ (der Stein). Genau in der Mitte des Buches erklärt der Tod dem Kind liebevoll: „Du bist auf der Welt, um das Leben zu lieben.“ Die letzte Doppelseite des Buches lässt Raum für persönliche Gedanken zu der eigenen Lebensgeschichte – Antworten, die man selbst im Laufe der Zeit auf die große Frage findet…

Zum Abschluss überreichten ein Schüler und unsere Bibliothekarin, Anna Mahler, ein ganz besonderes Geschenk: Die Bibliotheksgruppe – fünf GrundschülerInnen der Klasse 3a – hat Wolf Erlbruchs Werk „Die große Frage“ ins Schwedische übersetzt. (Hier kommen Sie zu der Übersetzung.). Ein tolles Geschenk, das ihn sehr gerührt hat.

Vielen Dank allen Beteiligten für diese philosophische Stunde in der Grundschule.
Öz

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