„Frun från havet“ – Bericht eines Theaterbesuches

Henrik Ibsen lebte mit seiner Frau Suzannah für 28 Jahre im freiwilligen Exil. Zwischen den Besuchen von Norwegen, seiner eigentlichen Heimat, ließ er Jahre vergehen. Seine Frau dagegen besuchte Norwegen regelmäßiger, und schilderte in langen Briefen ihre dortigen Erlebnisse. So gelang es ihr, Henrik im Spätsommer 1885 auf eine der Reisen mitzunehmen. Und drei Jahre später verfasste  er „Fruen fra havet“. Das Theaterstück über eine unzufriedene Frau, an einem kleinen Fjord im Norden des Landes:

Einst ließ Ellida Verlobungsringe von ihr und einem fremden Seemann, „Den Främmande“, aneinanderbinden und in das tiefe Meer werfen. Danach sah sie diesen Mann nie wieder. Er gab ihr aber das Versprechen, zu ihr zurückzukehren. Seitdem hat er eine ganz besondere Macht über ihr, der „Främmande“…

Die Zeit treibt Ellida an den norwegischen kleinen Fjord; in eine Ehe mit dem Arzt Wangel und seinen zwei eigensinnigen Töchtern. Verfolgt von der Erinnerung an ihrem Ring, den sie an den des Fremden band, und einer melancholisch-verzweifelten Sehnsucht nach und Bindung zum Meer, macht sie sich verrückt über die Fragen „ Was ist ein Versprechen? Was von dem Allem hier ist Zwang? Und was Freiwilligkeit?“ Jeden Tag badet sie im Wasser, sie ist wie eine Meerjungfrau; ist die Frau vom Meer.

Unerwartet taucht dann „Den Främmande“ auf der Bühne auf. Ellida muss sich nun in kurzer Zeit entscheiden. Geht sie mit ihm? Oder bleibt sie wo sie ist, bei Wangel? Zum ersten Mal in ihrem Leben hat sie die Wahl! Es ist etwas Anderes, sich frei entscheiden zu dürfen. „Det ligger en förvandling i detta“, wie sie sagt. So endet es folgenderweise: Sie bleibt, am norwegischen Fjord bei Doktor Wangel.

Ein Mittwochabend Ende August 2017 gehen ein paar Schüler der DSS im Namen des „Theaterclubs“ zum Lilla Scen vom Kungliga Dramaten. Eine kleine Besetzung mit wenigen Requisiten präsentiert ihnen ohne Theaterpause das zirka 130 Jahre alte norwegische Stück. In einer Welt mit dem Internet und den Normen. In einer Welt, in der wir als freier gelten als je zuvor und Beziehungen immer offener werden. Und wo täglich zahllose Menschen zur Flucht gezwungen werden.

Charlotta Leineweber, 9a